Über

Bevor du urteilen willst, über mich oder mein
Leben....
ziehe meine Schuhe an und laufe meinen
Weg....
Durchlaufe die Straßen, Berge, Täler....
fühle die Trauer, erlebe den Schmerz
und die Freuden..........
und DANN ... und erst DANN
hast du das Recht über mich zu
urteilen!!!!!

Mein Name ist Marion Nevoigt, geboren 1955 in Hamburg

In den 70er Jahren lernte ich meinen langjährigen Verlobten kennen und begann unter seiner Führung mit der kommerziellen Fluchthife, die mir selbst allerdings keinen geldwerten Vorteil einbrachte, für mich war es ein Abenteuer und eine neue aufregende Welt. Nach einigen Jahren zogen wir nach Berlin.
Hier, nach unserer Trennung, begann ich selbstständig in die Ost-West Politik einzutauchen, eigene Erfahrungen in der Fluchthilfe zu sammeln, hatte Helfer und Kontakte.

Als ich 1982 meinen Ehemann kennenlernte, war dieses Leben von heut auf morgen vorbei, ich zog mit ihm in eine Hamburger Vorstadt. Das politische Thema war so weit weg, als hätte es dies nie gegeben, obwohl auch mein Mann wegen Republikflucht in einem DDR-Gefängnis einsaß vor langer Zeit.
Nach meiner Scheidung zog ich später zurück nach Berlin.
Ich war jetzt allein, suchte neue Arbeit und neue Abenteuer.

In Berlin traf ich Freunde aus der alten Zeit, erfuhr, das ich in deren Stasiakten vermerkt war und wurde neugierig, beantragte eine Selbsteinsicht in meine Unterlagen. Nach einer langen Wartezeit las ich nun schwarz auf weiß, wer damals mein Freund und wer mein Feind war. Ein aufgedeckter Verrat nach beinahe 30 Jahren, der mein ganzes Leben begleitete.

Alter: 62
aus: Berlin
 


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Der Preis ist € 4,99 und die Datengröße ist ‎283kb als epub oder  885kb als pdf

10.12.11 20:47, kommentieren

2 Kommentare 5.12.11 22:40, kommentieren

Neue Buchauflage / Neues Cover: das E - Book für € 4,99 ist da!!!

Liebe Interessenten,

 

ab sofort kann das E-Book der neuen Ausgabe bestellt werden!

Inhalt des Buches ist unverändert..... Nur das "Gesicht", das Cover wurde durch den Verlagswechsel ein wenig verändert - aber natürlich mit Wiedererkennungswert.

Wer bestellen mag, sendet bitte eine Mail direkt an mich:

marionnevoigt@googlemail.com

Lieben Dank

Marion Nevoigt

2 Kommentare 5.12.11 22:35, kommentieren

Wie gerät eine sehr junge, politisch völlig ahnungslose Hamburgerin in die kriminell angehauchte Welt der kommerziellen Fluchthilfe? Welche Umstände und Freunde braucht es, engagiert und abenteuerlustig dabei mitzuhelfen, verzweifelte DDR Bewohner in den Westen zu schleusen? Stasi oder Staatsschutz - wer war schlimmer? Ich habe beide Seiten kennen und fürchten gelernt. Dabei waren die verlässlichsten Freunde immer doch die angeblich Kriminellen.... bis zum heutigen Tag!

Und erst jetzt, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, habe ich erfahren, worum es wirklich ging, wer mir Freund und wer mir Feind war.
Mehr aus Langeweile habe ich die Stasi-Akteneinsicht gefordert und finde heute mein gelebtes Leben in Scherben wieder. Damals war es ein Spiel und wurde in den letzten 30 Jahren für mich zur Katastrophe. Meine eigene Mauer beginnt erst heute zu fallen.

 

Auf den folgenden Seiten finden Sie eine Menge Hintergrundinformationen zum Thema DDR / Fluchthilfe etc.... blättern Sie einfach mal durch und lesen Sie rein - Aktuelles, Berichte aus damaliger Zeit über Fluchthelfer, Politik und den Staatssicherheitsdienst in Ost und West... 

Auch heute noch ein brandaktuelles Thema, die Verantwortlichen sind heute immer noch unsere direkten Nachbarn hier in Berlin, wir sehen sie fast täglich beim Spazierengehen, beim Einkauf - sie sind leiser geworden, aber immer noch unbelehrbar in ihrer Überzeugung, im Stasi-Dienst "haben sie doch nur Befehle befolgt".... kommt Ihnen der Spruch nicht auch bekannt vor???

 

1 Kommentar 22.10.10 15:24, kommentieren

Bild anklicken und unten rechts aufziehen... Cover ansehen...

1 Kommentar 12.11.10 00:08, kommentieren

GESCHICHTE ERINNERN

GESCHICHTE ERINNERN
Zeitzeugen zum Thema Berliner Mauer 
und innerdeutsche Grenze in schulischer 
und ausserschulischer Bildungsarbeit
 
www.stiftung-aufarbeitung.de
 
Am 13. August 2011 jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 50. Mal. Für viele junge Menschen ist die-
ses Ereignis lediglich eine weitere Jahreszahl im Geschichtsunterricht. Individuelle Schicksale, die für das
Leben im geteilten Deutschland stehen, werden damit kaum verbunden. Zeitzeugen können dabei helfen,
der Geschichte ein „Gesicht“ zu geben. Zur Unterstützung der Arbeit im schulischen und außerschulischen
Bildungsbereich stellt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur im Folgenden Menschen vor,
die zu Unterrichtsstunden und andere Veranstaltungen eingeladen werden können. Ihr Lebensweg ist eng
mit dem Mauerbau verknüpft, zum Teil, weil sie selbst aus der DDR flüchteten, zum Teil weil sie anderen
dabei halfen, die Grenze zu überwinden. Unter ihnen sind auch so genannte Schulgrenzgänger, die in Ost-
Berlin lebten, aber in West-Berlin die Schule besuchten. Die Republikflucht war für die meisten von ihnen
die einzige Chance, ein selbst bestimmtes Leben zu führen. 
Wenn Sie einen der Zeitzeugen kontaktieren wollen, schreiben Sie bitte eine E-Mail  unter Angabe Ihrer
Kontaktdaten und Ihres konkreten Anliegens an zeitzeugenbuero@stiftung-aufarbeitung.de. Wir leiten
Ihre Anfrage weiter.  Über das Zeitzeugenbüro können auch Zeitzeugen zu anderen Schwerpunkten, z.B.
dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 oder zur Friedlichen Revolution 1989/90, kontaktiert werden.
1
Kontakt
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Dr. Jens Hüttmann
Kronenstraße 5 
10117 Berlin
Telefon: +49 (0)30 31 98 95-209
Fax: +49 (0)30 31 98 95-210
Email: zeitzeugenbuero@stiftung-aufarbeitung.de
www.stiftung-aufarbeitung.de
Unterrichtsmaterialien
 
Weitere Zeitzeugen und Unterrichts-
materialien  für  die  schulische  und
außerschulische  Bildung  u.a.  zu  dem
Schwerpunkt  Mauerbau  und  inner-
deutsche   Grenze   finden   Sie   hier:
www.zeitzeugenbuero.de
Podcast
Didaktisches Material zum Thema Berliner Mauer und innerdeutsche Grenze finden Sie u.a. hier:
„Ein  Grenzfall - Wie eine DDR Flucht
zum  Familiendrama  wurde“.  Ein  Ra-
dio-Feature,  produziert  von  Bayern
2,   als   Podcast   für   die   historisch-
politische     Bildung:    www.stiftung-
aufarbeitung.de/start/grenzfall.php
Internetseite
Ausstellung
„Die   Mauer   -   Eine   Grenze   durch
Deutschland“.  Eine  Ausstellung  der
Bundesstiftun g zu r Aufarbeitun g der
SED-Diktatur und der Zeitungen BILD
und  DIE  WELT.  Die  Ausstellung  kann
bei  der  Bundesstiftun g zu r Aufarbei-
tung  der  SED-Diktatur  bestellt  wer-
den:   www.stiftung-aufarbeitung.de/
DieMauer/index.php
Begleitmaterial
Didaktisches     Begleitmaterial     zur
Ausstellung  „Die Mauer - Eine Gren-
ze durch Deutschland“. Das  Material
umfasst  Angebote  für  die  Sekundar-
stufen     I     und     II:     www.stiftung-
aufarbeitung.de/DieMauer/
schule.php

1 Kommentar 24.5.11 20:07, kommentieren

ZEITZEUGEN

 Berlin
Marion Nevoigt
geb. 1955 
In den 1970er Jahren durch ihren Verlobten
in    der    westdeutschen    (kommerziellen)
Fluchthilfeszene   aktiv.   Wurde   jahrelang
vom  MfS  bespitzelt.  Hat  dazu  ein  Buch
(Reise ins Ungewisse - Meine Sicht der Dinge) veröffentlicht

Ingrid Eisenbart
geb. 1937 
Krankenschwester   in   einem   Krankenhaus
der Volkspolizei (VP). Unter Nutzung des VP
-Dienstausweises  flüchtete  sie  nach  jahre-
langer  Vorbereitung  wenige  Tage  vor  dem
Mauerbau mit dem Zug nach West-Berlin. 
Berlin
Brandenburg
Berlin
Hessen 

Petra Aufenanger
geb. 1941
Flüchtete 1958 mit ihrer Familie nach West-
Berlin und erlebte von dort den Mauerbau.
Schulgrenzgängerin.   Abitur   im   Jahr   des
Mauerbaus. 

Rita Bergemann
geb. 1940 
Flüchtete 1961 kurz nach dem Mauerbau
mit ihrem Verlobten nach West-Berlin, in-
dem sie die Havel durchschwammen. Der
Mauerbau schnitt ihr den Weg von Pots-
dam zu ihrer Ostberliner Arbeitsstätte ab.

Dr. Inka Bach
geb. 1956 
1972   gelang   ihr   die   Flucht   nach   West-
Berlin,  versteckt  in  einem  Fahrzeug.  Ver-
öffentlichte   ihre   Erlebnisse   u.a.   2004   in
dem  Roman „Glücksmarie“.
 
Doris Birner
geb. 1949 
Flüchtete  1961  mit  ihrer  Familie  im  un-
mittelbaren   Vorfeld   des   Mauerbaus   mit
dem Zug nach West-Berlin. Grund war u.a.,
dass  die  Eltern  in  der  DDR  keine  Bildungs-
chancen für sie sahen. 
Nordrhein-
Westfalen
Berlin
Nordrhein-
Westfalen
Bayern 

Gerhard Brückner
geb. 1938 
Flüchtete 1962 per Schiff  nach West-Berlin
zusammen mit seiner Verlobten. Grenzgän-
ger,  lebte  in  Ost-Berlin,  arbeitete  aber  im
Westteil  der  Stadt.  Nach  dem  Mauerbau
hatte er deshalb Existenzprobleme.
Brandenburg

Vera Dörrier-Breitwieser
geb. 1933 
Flüchtete  im  Dezember  1961  nach  West-
Berlin mit Hilfe der studentischen Fluchthil-
fe-Gruppe   um   Detlev   Girrmann.   Flucht-
grund  war  u.a.  die  Tatsache,  dass  ihr  Ver-
lobter in West-Berlin lebte. 

Berlin
Roland Exner
geb. 1942
Der  Schulgrenzgänger  versuchte,  am  Tag
des  Mauerbaus  zu  flüchten.  Der  Fluchtver-
such  misslang.  Verurteilung  zu  drei  Jahren
Haft. Saß im Zuchthaus Bautzen. Vom Wes-
ten freigekauft.

Klaus Hoffmann
geb. 1943 
Fluchtversuch  1965  über  die  Tschechoslo-
wakei  schlug fehl. Verurteilung auf Bewäh-
rung.  1966  gelang  die  Flucht  nach  West-
Berlin  durch  die  Hilfe  der  Fluchtgruppe  „X
10“. Danach selbst als Schleuser tätig.

Wolfgang Kockrow
geb. 1932 
1959 in der DDR wegen angeblicher Spiona-
ge verhaftet, obwohl er West-Berliner war.
Verurteilung   zu   mehreren   Jahren   Haft. 
1964  Abschiebung  nach  West-Berlin,  dort
als Fluchthelfer tätig, u.a. Tunnel 57, durch
den 57 Menschen aus der DDR flohen.

Brandenburg
Evemarie Kühnke
geb. 1943
Besuchte als Schulgrenzgängerin eine West-
Berliner Schule. Hielt sich am Tag des Mau-
erbaus  zufällig  in  West-Berlin  auf.  Hat  die
Erinnerungen an ihre Kinder- und Jugendzeit
in       dem       Buch       „Meine       Ost-West-
Erinnerungen“  verarbeitet.

Horst Müller
geb. 1941
Als professioneller Fluchthelfer tätig. Konn-
te 32 DDR-Bürgern zur Flucht in den Wes-
ten verhelfen. 1971 verhaftet und in Baut-
zen und Hohenschönhausen inhaftiert.
1977 von der Bundesrepublik freigekauft.

Klaus Schulz-Ladegast
geb. 1941 
Flüchtete  1959  nach  West-Berlin,  kehrte
1961 zurück. Verhaftung wenige Tage nach
dem  Mauerbau  wegen  Spionage.  Mehrjäh-
rige Haftstrafe. 1967 zweite Flucht. Bis heu-
te in der politischen Bildungsarbeit aktiv.
 
Regina Thulesius
geb. 1942
Flüchtete 1961 wenige Tage nach dem
Mauerbau mit Unterstützung Westberliner
Lehrer nach West-Berlin. Schulgrenzgänge-
rin, da sie als Pfarrerstochter die Oberschu-
le in Ost-Berlin nicht besuchen durfte.  Der
Mauerbau trennte die Familie dauerhaft.

Rudi Thurow
geb. 1937 
Flüchtete    1962    nach    Westberlin.    SED-
Mitglied,   bis   1962   als   Unteroffizie  r der
Grenztruppen an der innerdeutschen Gren-
ze . War danach viele Jahre als Fluchthelfer
in  West-Berlin  tätig  und  am  Bau  von  sechs
Fluchttunneln beteiligt. 
Berlin  Berlin
Zeitzeugen
Bayern  

Niedersachsen
Dietrich Nolte
geb. 1928 
Flüchtete  1952  aus  Ost-Berlin,  nachdem  er
von den  sowjetischen Militärbehörden we-
gen  angeblicher  „Werwolf“-Mitgliedschaft
verhaftet  und  von  1946  bis  1950  im  Lager
Buchenwald interniert wurde. 

Berlin
Albrecht Roos
geb. 1939 
Flüchtete  im  September  1961  bei  Befesti-
gungsarbeiten   an   der   Grenze   zu   West-
Berlin. Vater SED-Funktionär, er selbst Mit-
glied  in  der  Jungen  Gemeinde.  Daher  zahl-
reichen Repressionen ausgesetzt.

Willy H. Schreiber
geb. 1937 
Flüchtete  1981  im  Kofferraum  des  Autos
eines  befreundeten  italienischen  Kommu-
nisten.  Wurde  jahrelang  vom  MfS  (durch
seine   Ehefrau)   überwacht.   Verarbeitete
seine   Erinnerungen   im   Buch   „Im   Visier.
Anatomie einer Flucht aus der DDR“ 

Karl-Heinz Thiemann
geb. 1951 
Flüchtete Ende der 1980er Jahre nach West-
Berlin. Aufgewachsen in Kinderheimen. Haft
wegen  Unterlassung  der  Anzeige  einer  Re-
publikflucht. Danach SED-Mitgliedschaft, um
nach eigener Aussage den Staat „mit seinen
eigenen Waffen zu schlagen.“

2 Kommentare 24.5.11 20:14, kommentieren

Zum Inhalt meines Buches

Flucht und Fluchthilfe im Spannungsfeld der deutsch-deutschen Beziehungen

Bevor ich zu meinem Thema ...– der Geschichte der Fluchthilfe – komme, möchte ich ein paar einführende, allgemeinere Bemerkungen machen, die den weiteren Rahmen aufspannen sollen, in dem ich dieses Thema sehe.

Auf den ersten Blick scheint ja die Fluchthilfe ein recht abseitiges Phänomen zu sein. Man assoziiert damit ein paar Gruppen von Abenteurern, die aus mehr oder weniger lauteren Motiven handelten – vielleicht aus Hilfsbereitschaft und Idealismus, vielleicht aber auch aus politischem Radikalismus oder aus einer Neigung, mit ungesetzlichen Methoden Geld zu verdienen; man assoziiert Abenteurer, die nach dem Mauerbau spektakuläre Fluchtwege fanden – Tunnel gruben, Pässe fälschten, durch die Kanalisation wateten, Autos umbauten; und dies für fluchtwillige Menschen aus der DDR, deren Bereitschaft, sich diesen Fluchthilfegruppen unter Gefährdung ihres Lebens und für manchmal viel Geld anzuvertrauen, ohne daß materielle Not oder unerträgliche Verfolgung sie dazu gezwungen hätten, auch fremdartig und erstaunlich wirkt.

In Zahlen gesehen war die Fluchthilfe in der Tat über Jahre und Jahrzehnte hinweg eine Randerscheinung: Während es in den 60er Jahren überhaupt keine gesicherten Zahlen gibt, registrierte das Ministerium für Staatssicherheit in den 70er Jahren nur zwischen 200 und 300 gelungene sogenannte Ausschleusungen pro Jahr – mit einem Höhepunkt von knapp 1000 Ausschleusungen im Jahr 1973 nach dem Transitabkommen zwischen der DDR und der Bundesrepublik, als die Kontrollen auf den Transitautobahnen zwischen Berlin und Westdeutschland erheblich gelockert wurden und es kurzzeitig so schien, als ob man einen Flüchtling nur auf einer Autobahnraststätte in den Kofferraum stecken müsse, um ihn sicher in den Westen zu bringen.

Ein Eindruck, der allerdings trog, da das Ministerium für Staatssicherheit spätestens 1975 die Transitstrecken so lückenlos überwachte, daß hier kaum mehr eine Flucht gelang. Bis 1975 endete ein Viertel bis ein Drittel aller Ausschleusungsversuche mit einer Verhaftung, dann stieg die Verhaftungsquote auf 50 Prozent. Ende der 70er Jahre und in den 80er Jahren scheiterten sogar 65 bis 75 Prozent aller mit Fluchthilfe unternommenen Fluchtversuche. In absoluten Zahlen sanken die erfolgreichen Ausschleusungen Anfang der 80er Jahre unter 100 pro Jahr, und ab 1984, mit dem Anschwellen der Ausreisebewegung, wurden sie bis 1989 zu einer vollends vernachlässigbaren Größe.Obwohl die Fluchthilfe in Zahlen jedenfalls ab Mitte der 60er Jahre eine geradezu lächerliche Größenordnung einnimmt, absorbierte sie doch einen großen, mit den Jahren immer mehr anwachsenden Teil des Verfolgungsapparates der DDR.

Spätestens mit der Gründung der Zentralen Koordinierungsgruppe im Ministerium für Staatssicherheit 1975 waren die im DDR-Jargon so genannten kriminellen Menschenhändlerbanden Staatsfeind Nr. 1, für dessen möglichst effiziente Bekämpfung alle Ressourcen dieser Behörde neu geordnet, zusammengefaßt und erweitert wurden. Verstehen kann man dieses anscheinende Mißverhältnis nur, wenn man die Fluchthilfe im Kontext der Flucht- und Ausreisebewegung insgesamt betrachtet. Die Flucht- und Ausreisebewegung gefährdete die Existenz der DDR; sie hatte 1952 zur Absperrung der deutsch-deutschen Grenze und 1961 zum Mauerbau in Berlin geführt. Nach 1961 versuchte die DDR, der nun nicht gestoppten, sondern nur gehemmten Flucht- und Ausreisebewegung kleine kontrollierte Ventile zu öffnen, insbesondere durch den Freikauf im Rahmen der Familienzusammenführung und durch die Rentnerreisen. Die vom Westen aus organisierte Fluchthilfe jedoch mußte für die DDR aus mehreren Gründen unerträglich sein: -
Sie ließ sich nicht kontrollieren – obwohl es auch hier Versuche durch IM’s, durch Spitzel des Staatssicherheitsdienstes, gegeben hat; -
sie agierte vom Boden, auch vom verfassungsrechtlichen Boden, des Konkurrenzstaates Bundesrepublik aus; -
und sie war in ihrem Potential unendlich, da die DDR zwar ihre eigene Bevölkerung einsperren, aber realistischerweise nicht die ganze Welt auf Dauer aussperren konnte: jede Besuchsreise von West nach Ost konnte immer auch der Vorbereitung oder Durchführung einer Flucht von Ost nach West dienen.

In ihrem Zusammenhang mit der Flucht- und Ausreisebewegung insgesamt hat die Fluchthilfe ihre historische Relevanz; außerdem bietet sich dieses Phänomen, gerade in seiner schillernden Vielgestaltigkeit und Widersprüchlichkeit, in besonderer Weise dazu an, das grundsätzliche Verhältnis zwischen den beiden deutschen Staaten besser zu verstehen – die Bedingungen ihrer Interaktion, die Art und Weise der Wechselbeziehung, die Statik und die Dynamik dieses in der Geschichte wohl einzigartigen Beziehungsgefüges zweier Staaten.
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2 Kommentare 21.10.10 00:20, kommentieren

"Die Vergangenheit studieren um der Gegenwart und Zukunft willen"

Auszüge aus der Rede Marianne Birthlers bei ihrer Verabschiedung als Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen
Am Abend des 14. März 2011 endete die mehr als zehnjährige Amtszeit von Marianne Birthler als Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU). In ihrer Abschiedsrede ging sie auf Kritiker ein, auf die europäische Dimension der Diktatur-Aufarbeitung, auf die wachsende Relevanz der Bildungsarbeit der BStU und auf europaweit fehlendes Geschichtsbewusstsein: "Die in den kommunistischen Diktaturen Europas millionenfach Entrechteten, Gefangenen und Ermordeten haben im gesamteuropäischen Geschichtsbild noch keinen würdigen Platz gefunden – ebenso wie der immer wieder blutig niedergeschlagene Widerstand, der zum besten gehört, was europäische Freiheitsgeschichte zu bieten hat".

1 Kommentar 16.3.11 16:09, kommentieren

"Das Lügen darf nicht belohnt werden"


Auszüge aus der Rede Roland Jahns bei seiner Amtseinführung als neuer Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen am 14. März 2011
Roland Jahn, seit 15. März 2011 amtierender Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik
"Je besser wir begreifen, wie die Diktatur in der DDR im Alltag funktioniert hat,
desto besser können wir, hier und heute, Demokratie gestalten".
Mit diesen Worten beschreibt der neue Bundesbauftragte für die
Stasi-Unterlagen,
der Journalist Roland Jahn, einen seiner künftigen Arbeitsschwerpunkte -
das Nachdenken
über "die Anpassung in der Diktatur". Aktuell nahm Jahn die Debatte
um die Beschäftigung von rund 50 ehemaligen MfS-Mitarbeitern in der
BStU auf:
"Die Beschäftigung von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern in der Behörde
für die Stasi-Unterlagen
ist unerträglich".

 

1 Kommentar 16.3.11 16:14, kommentieren

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